Donnerstag, 11.7.2002, 00.00 Uhr, Saal

Tod eines Romans? Die Walser-Debatte

Podiumsdiskussion mit Marius Meller, Robert Schindel, Thomas Steinfeld und Arno Widmann

Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der einen Vorabdruck des neuen Romans »Tod eines Kritikers« (Suhrkamp Verlag) von Martin Walser in seiner Zeitung ablehnte, dem Werk Antisemitismus vorwarf und es „ein Dokument des Hasses“ nannte, entfachte eine Diskussion über das Für-und-Wider einer Publikation des Werkes und über die fehlende Nachprüfbarkeit der Vorwürfe seitens der Leser im Falle einer Nichtveröffentlichung. Der Verlag veröffentlichte den Roman Ende Juni. Nun bleibt vor allem eine Frage: Handelt es sich bei »Tod eines Kritikers« um einen guten oder schlechten Roman und welche Vorwürfe haben sich bestätigt? Marius Meller, Redakteur der Frankfurter Rundschau, hält Frank Schirrmachers Vorwürfe für gerechtfertigt, den Roman für ein geschmackloses und gefährliches Buch. Der jüdische Autor Robert Schindel kann keinen eindeutigen Antisemitismus im Buch finden, antisemitistische Chiffren, die sich in ein Bild der deutschen Gegenwart fügen, dagegen schon. Über die Qualität des Buches hat Robert Schindel jedoch nichts Gutes sagen. Thomas Steinfeld, Literatur-Chef der Süddeutschen Zeitung, hatte sich während der Debatte für ein Erscheinen stark gemacht. Die Leser sollten sich ihr Urteil selbst bilden können. Und Arno Widmann, leitender Redakteur der Berliner Zeitung, hält »Tod eines Kritikers« für „eines der besten Bücher nicht nur von Martin Walser“. Es sei „nicht damit zu rechnen, dass diesen Sommer noch ein Witzigeres, Böseres und Schöneres erscheint“.