Dienstag, 14.4.2015, 20.00 Uhr, Saal

Selbstporträt mit Flusspferd

Lesung mit Arno Geiger

»›Es gibt wirklich nichts, was da noch zu bereden wäre‹, sagte sie erstaunt. ›Vorbei ist vorbei und Entscheidung ist Entscheidung. Jetzt, wo es aus ist, ziehe ich es vor, nicht mehr dar über nachzudenken.‹
Obwohl ich ihr mit meinen Stimmungsschwankungen wochenlang das Leben versalzen hatte, war ich von Judiths Antwort wie vor den Kopf gestoßen. Es empörte mich, dass Judith es schaffte, ihre Gefühle zu mir einfach in die Ecke zu stellen. Es empörte mich so sehr, dass ich ihr Gefühllosigkeit´unterstellte.
›Wir haben uns entschieden. Warum jammern?‹, fragte sie.
Da drehte ich mich um und ging. Tage später sagte sie, sie
habe mir, als ich wegging, angesehen, dass ich mir sicher gewesen sei, sie werde mich zurückhalten. Sie habe es mir von hinten angesehen, dass ich dachte, gleich läuft sie hinter mir her und hält mich zurück.«

Arno Geiger (© Marco Flammang)Wie fühlt es sich an, heute jung zu sein? Arno Geiger erzählt von Julian, einem Studenten der Veterinärmedizin, der seine erste Trennung erlebt und erstaunt ist, wie viel Unordnung so eine Trennung schafft. Um die Unordnung ein wenig zu lindern, übernimmt er bei Professor Beham die Pflege eines Zwergflusspferds, das bald den Rhythmus des Sommers bestimmt: es isst, gähnt, taucht und stinkt. Und dann verliebt Julian sich in Aiko, die Tochter des Professors, verfolgt beunruhigt, wie täglich Schockwellen von Katastrophen um den Erdball fluten und durchlebt eine Zeit des Umbruchs und Neuanfangs. Arno Geigers neuer Roman (Hanser Verlag) ist ein Buch über die Verunsicherungen der Liebe und über die Suche nach einem Platz in der Welt.
www.arno-geiger.de

Mehr dazu unter blog.lithausmuc.de

Moderation: Dieter Heß (Bayerischer Rundfunk)

Büchertisch: Lillemor's Frauenbuchladen
Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 9.- / 7.-

»Sprachlich virtuos und mit heiterem Ernst spielt der österreichische Autor auf der Klaviatur von Utopie und Melancholie, Sehnsucht und Ernüchterung, Hoffnung und Resignation.« (Neue Zürcher Zeitung)