Mittwoch, 19.9.2018, 20.00 Uhr, Saal (Foyer-Bar ab 19 Uhr)

Die Geschichte des Wassers

Lesung mit Maja Lunde

Der neue Roman (btb) der Bestsellerautorin Maja Lunde (»Die Geschichte der Bienen«): eine ergreifende Warnung vor der Endlichkeit unserer Lebensgrundlage.

Vorverkauf ab 1. des VormonatsVeranstalter: Stiftung Literaturhaus

»Sogar die Zeitungen in der Stadt schreiben darüber, sonst hätte ich nichts erfahren, ich habe die Artikel wieder und wieder gelesen und kann es doch nicht fassen. Sie holen Eis aus dem Gletscher, reines, weißes Eis aus Norwegen, und vermarkten es als das Exklusivste, was man in seinen Drink geben kann, einen schwimmenden Mini-Eisberg, eingetaucht in goldenen Schnaps, aber nicht für norwegische Kunden, nein, für jene, die es sich wirklich leisten können. Das Eis soll in die Wüstenstaaten transportiert und dort, in der Heimat der Ölscheichs, an die Reichsten der Reichen verkauft werden, als wäre es Gold, weißes Gold. [...]
Dann habe ich das Eis endlich unter den Füßen, jeder Schritt macht ein Geräusch, ein leises Knirschen. Ich setze meinen Weg fort, jetzt sehe ich das Abbaugebiet, die Wunden im grauweißen Gletscher, harte Schnitte, die einen Kontrast zum blauen Inneren bilden, dort, wo das Eis herausgeschnitten wurde. Daneben stehen vier große weiße Säcke voll, bereit zum Abtransport. Sie benutzen Motorsägen, habe ich gelesen, schonende Motorsägen, die nicht geölt sind, damit die Eisstücke nicht beschmutzt werden.
Eigentlich dürfte mich nichts mehr überraschen von all dem, was die Menschen tun. Aber das hier versetzt mir trotzdem einen Stich, denn das muss Magnus in der Vorstandssitzung lächelnd genehmigt, ja vielleicht sogar befürwortet haben.«
(aus: Maja Lunde »Die Geschichte des Wassers«)

Begleitprogramm zur Ausstellung Natur in der Literatur