Mittwoch, 12.9.2018, 20.00 Uhr, Saal

Kriegslicht

Lesung mit Michael Ondaatje

»Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.«

KriegslichtSo beginnt die Geschichte des vierzehnjährigen Nathaniel, der mit seiner Schwester in London zurückgelassen wird. Als die Mutter nach Jahren wie aus dem Nichts wieder zurückkehrt, sagt sie nur: »Meine Sünden sind vielfältig«. Fünfundzwanzig Jahre nach »Der Englische Patient«: das neue Meisterwerk des kanadischen Autors Michael Ondaatje (Hanser Verlag // Deutsch von Anna Leube).

Moderation: Julika Griem (Universität Essen)
Lesung: Thomas Lettow

Veranstaltung in englischer und deutscher Sprache
Büchertisch: Lehmkuhl
Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 15.- / 10.-

»Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren. Wir wohnten in London, in einer Straße namens Ruvigny Gardens, und eines Morgens meinte unsere Mutter, oder vielleicht war es auch der Vater, wir sollten uns nach dem Frühstück unterhalten, und sie teilten uns mit, sie würden uns verlassen und für ein Jahr nach Singapur gehen. Also nicht für allzu lange Zeit, sagten sie, aber doch für eine ganze Weile. Natürlich werde man in ihrer Abwesenheit gut für uns sorgen. Ich weiß noch, dass mein Vater auf einem der unbequemen eisernen Gartenstühle saß, als er uns die Mitteilung machte, während meine Mutter, die in einem Sommerkleid hinter seiner Schulter stand, beobachtete, wie wir darauf reagierten.
Nach einer Weile nahm sie die Hand meiner Schwester Rachel und hielt sie sich an die Taille, als ob sie sie wärmen könnte.« (Michael Ondaatje »Kriegslicht«)